Sonntag, 14. September 2008

Schwarz

Nach einer wahren Raserei von Ashgabat weg durch den Iran und den dort mal wieder tollen Erlebnissen (nicht zuletzt durch die Bazaris, die ich schon das 3. Jahr besucht habe und die mich beispielsweise zum Pingpongspielen (Vodka, Bier und Co. in Zeiten des Ramazan inklusive...) mitnehmen wuerden, ging es am 'Maertuerer Toter Mann-Highway' ins nette Baku, das derweil abschnittsweise mehr und mehr zu einem Morph zwischen Chicago, Paris und Dhaka zu werden scheint. Dabei war die Fahrt dorthin wahrlich beinahe 'toter Mann', raste der Fahrer dankenswerterweise mit 130 km/h durch Ortsgebiete. Und da kein Platz im Kofferraum war, durfte ich meinen Backpack am Schosz halten. Und als dann im Innenraum ploetzlich Rauch auftauchte und wir anhielten, warf ich meinen schoenen Rucksack in den Dreck und lief gemeinsam mit den 3 Iranern, die auch im Auto saszen, ganz schnell ganz weit weg. War dann doch 'blosz' ein kleinerer Kabelbrand. Und als uns dann auch noch mitten im Bakuuer Abendverkehr der Sprit ausging, hatte ich genug und goennte mir ganz alleine ein Taxi.

Naja, zumindest ist Tbilisi immernoch das Geilste zwieschen Istanbul und Istanbul. Alles scheint von den juengsten Konflitktereignissen ganz unberuehrt. Die Leute flanieren nach wie vor die Rustaveli Avenue entlang, diesen Jahrmarkt der Eitelkeiten. Doch eines faellt sofort auf: Schwarz ist hier nicht blosz eine Modefarbe. Zusaetzlich zu den in etwa 300 000 Vertriebenen vergangener Konflikte ist eine Unzahl neuer Fluechtlinge dazugekommen, um die sich die Regierung nicht zu kuemmern in der Lage ist. Und so schlafen beispielsweise 28 Personen aller Altersklassen dicht gedraengt und am Boden in 2 Raeumen eines Kindergartens, der aber ab Oktober seinen regulaeren Betrieb wiederaufzunehmen haben wird. Keiner weisz so genau was mit diesen Menschen dann passieren soll, aber den Berichten zufolge ist klar: in die gepluenderten und ausgebrannten Haeuser wird wohl keiner von ihnen so schnell zurueckkehren koennen.
Und so bleibt ihnen nicht viel anderes uebrig als zu warten. Warten und hoffen.
Und ein bisschen Hoffnung konnte man spueren, als ich zusammen mit Tbiliser Freunden eines dieser provisorischen Auffanglager besucht und versucht habe, jene ein bisschen abzulenken, die am wenigsten fuer die Situation zur Verantwortung zu ziehen sind: die Kleinsten.
Das Spielen mit den teilweise koerperlich und/oder geistig behinderten Kids war gewiss das emotional aufwuehlendste, was ich im Laufe der letzten 11 Wochen zu spueren bekommen habe.

Wie die Lage in Gori, jener georgischen Stadt die am laengsten von den russischen Truppen besetzt gehalten worden ist, ist, wird sich am Mittwoch zeigen, wenn ich gemeinsam mit einem Trupp an Journalisten und Fotographen versuchen werde mir ein Bild zu machen und das groeszte Auffanglager besichtige.






3 Kommentare:

Julia Ess hat gesagt…

tolle fotos, wie immer... ich reise mit dir gerne mit. und der kaffee im oktober ist fix! liebe grüße, julia
p.s. ich hab mir die freiheit genommen, und auf meinem blog einen link auf deines gesetzt...

Anonym hat gesagt…

Nice foto's!

Anonym hat gesagt…

Deine Haare sind schon wieder lang (oder bist dieses affenähnliche Wesen nicht du??), ein Zeichen, dass deine Erkundung des Ostens bald wieder vorbei ist. Ich staune immer wieder über deine Fotos und Erzählungen. Freu mich auf ein Wiedersehn in Wien. Pass auf auf dich und genieß die verbleibende Zeit!
Bussis aus Wien, Ursula