10 Tage am Dach der Welt.
10 Tage entlang der Drogenroute Nummer 1 weltweit, stets dem innerafghanischen Opium entgegen, welches sich seinen Weg entlang des Pamir Highway ins kirgisische Osh bahnt, wo es weiterverarbeitet nach Russland und von hier aus nach Europa und in die ganze Welt verschifft, verschluckt, verfahren, verflogen etc. wird.
Dabei stets dem Hindukush entgegen, welcher verheiszungsvoll am Wakhankorridor auf einen wartet.
Was so verheiszugsvoll sich anhoert, hat nicht minder abenteuerlich mit einer 15,5 Stunden langen Fahrt von Osh nach Murgab angefangen. Und diese Fahrt hatte es mit ihren 4600m Paessen in sich, denn die sechs die wir im Auto waren, hatten allesamt an den Folgen des kaum vorhandenen Sauerstoffs zu leiden. Manche bekamen das volle Programm wie beispielsweise Kopfweh, Uebelkeit und Erbrechen zu spueren, andere - wie meine Wenigkeit - durften sich eines wahren Hoehenrausches erfreuen, der zu Dauerlachanfaellen fuehrte. Aber wir hatten es auch lustig, denn fuer Unterhaltung sorgten nicht zuletzt Tadjikische Grenzbeamte, welche mir nicht glauben wollten, dass ich nicht Tadjike bin. Und auf die obligaten Fragen "Where are you from?", "How old are you?" und "Are you married?", sollte dann noch die eher unkonventionelle Frage "Are you circumcised?" folgen...
Nun, in Murgab angekommen, begann dann auch schon die 10 Tage waehrende Zeit, in der von Strom, flieszend Wasser, gar Internet oder sonstweder Form von Komfort Abstand genommen werden musste.
Doch was man im Austausch bekam, steckte alles andere locker weg: leckerstes Essen, Yakmilch, Yakbutter, Brot, Eintoefe, Suppen, Yakyoghurt... Ein Schmaus!
Und das alles in einer absoluten, baumlosen Bergwueste die auch sonst kaum Vegetation aufzuweisen hatte.
Dafuer lieszen wir, die wir als Gruppe im Auto nach Tadjikistan gefahren waren (2 Japaner, ein taiwanesischer Lehrer, eine Kanadierin, Magali und ich) es uns aber gar nicht nehmen, einen feinen Wuestenspaziergang zu unternehmen, der uns auch zum gespenstisch verlassenem Flugfeld von Murgab fuehren sollte, wo wir entlang der Landebahn spazierten und uns ins verlassene Flughafengebaude wagten.
Der zweite Wuestenspaziergang, den Magali und ich gemeinsam mit zwei seit 4 Jahren unterwegs seienden Israeli unternahmen, war dann schon eher fatal... Nach 7 Stunden Wanderung kamen wir zwar wie vorhergesehen am See Yuissik Kol an, aber die erwarteten Hirtenzelte waren nicht dort. Ohne Wasser waren wir dann etwas aufgeschmissen, galt es ploetzlich weitere 5 Stunden durchzuwandern, ehe wir eine Siedlung sehen wuerden. Zumindest hatten wir Wasserpurifizierungstabletten mit und konnten somit das Wasser aus dem See trinken, aber die physischen Folgen wie Uebelkeit und Erbrechen waren nicht zu vermeiden.
Gluecklich, aber ungemein erschoepft konnten wir dann bereits im Nachtdunkel bei einer Familie in Bulunkul uebernachten, ehe es am uebernaechsten Tag nach gehoeriger Erholung Richtung Wakhankorridor ging.
Dort angelangt, staunten wir nicht schlecht ueber die enorme Durchlaessigkeit der Grenze zwischen Afghanistan und Tadjikistan, welche stellenweise von einem leichtest passierbaren Fluss gebildet wird.
Da ist es dann schon eher ueberraschend wenn man lieszt, dass 80% des weltweit beschlagnahmten Opiums auf das Konto tadjikischer Zoellner gehen...
Nach einer guten Woche im baumlosen Pamirgebirge war dann die Ankunft in dem Korridor von groeszter Freude begleitet, konnten wir nun endlich wieder Baeume, Vegetation und einen Fluss sehen, Obst und Gemuese essen, das an Frische nicht zu schlagen war!
Die Leute sprechen einen vollkommen anderen Dialekt als die Pamirbevoelkerung, und das Russisch ist teilweise um etliches besser, scheint die Zivilistion hier doch eher Spuren hinterlassen zu haben.
Und es gibt in Ishkashim sogar einen Samstagsbazar an einer Bruecke ueber den Abu Darya, wo man sich unter afghanische Haendler mischen und ein bisschen Afghanistangefuehl tanken kann.
Jedenfalls bin ich derweil froh in Kohorog, der Hauptstdt von GBAO zu sein. Endlich eine Dusche nach 10 Tagen haben zu koennen erfreut das Herz. Und die Bevoelkerung ist eine der juengsten und gebildetsten Zentralasiens, existieren hier doch 2 grosze Universitaeten...
Und waehrend sich die gemeinsame Reisezeit mit Magali ihrem Ende naht, bin ich schon auf Dushanbe, die vermeintlich netteste zentralasiatische Hauptstadt gespannt.
Desweiteren freue ich mich auch einem Flug mit Uzbekistan Airways in einer 40 Jahre alten russischen Yak40 von Andijan nach Tashkent.
Langeweile noch nicht aufgetaucht...
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