Freitag, 29. August 2008

Bonbonmafia

'Oh ja, Bukhara unbedingt! Gleich danach Khiva, unbedingt!'
Und so fuhr ich den weisen Ratschlaegen anderer Reisender folgend in diese zwei Oasen. Wie man sich das so schoen vorstellt, wurde ich dann von viel und vielen (gierigen Taxifahrerhunden) begrueszt - die Palmen und so, konnte ich dann aber nicht finden.
Hunde aber und Karawanenatrappen aus Messing.
Ganz toller Kulturschrott wie man ihn an so vielen Plaetzen die von Touristenschwaemmen ueberflutet werden, finden kann. Touristenpreiserei inklusive. Und so gibt es auf der Rueckseite der Speisekarte auch die gleichen Gerichte zum Einheimischenpreis, doch nicht fuer mich. Auszer ich habe einen sonderlich guten Russischtag, tarne mich und werfe mit Charme (ja, manchmal rutscht der mir naemlich irrtuemlich aus) herum. Dann geht das dann doch mit dem Einheimischen...
Das war doch in Tajikistan irgendwie leichter - vielleicht muss ich mir am Bazar einen Uzbekenhut besorgen. Oder eine Polizeiuniform, denn die haben's hier ganz einfach. Ein Wink mit der Keule und aus die Maus. Und die Keulen sind ganz schoen grosz. Und man spare sich mir bitte nun Siggi, der hat hier nichts zu suchen.
Dafuer aber der neueste Laenderbericht von Transparency International, der Usbekistan auf den vorvorletzten Platz (175) der Liste bestechlicher Staaten setzt. Danach folgen nur mehr Somalia und der Irak. Beides dann hiermit automatisch auf meine Reiseliste qualifiziert!
Keine unabhaengige Justiz, schon gar keine echte Presse. 'Social Networking' sozusagen an jeder Ecke. Und insbesondere an den Toren Khivas, welches samt restaurierter Stadtmauer eine ofizielle Museumsstadt und Weltkulturerbe ist. Will man aber durch selbige Tore spazieren und brav sein Eintrittsgeld abgeben, so wird einem der Eintritt verweigert, da man das seperat erwerbliche 'Kamerabillet' auch dann blechen muss, wenn man gar keine Fotos zu schieszen vorhat.
Und so konnte ich dann so gut wie nichts von Khiva sehen - wollte ich aber auch gar nicht mehr.
Und fragt man einen Uzbeken ob er den Staatsdiktator denn wiederzuwaehlen vorhat (also theoretisch, freie Wahlen sind hier gerade mal wieder nicht so in Mode), so bekommt man folgende Antwort: 'Natuerlich, denn wenn ein neuer Praesident an die Macht kommt, so vergehen dann doch erst wieder 10 Jahre bis er seine Familie versorgt hat.'

Und was die Netzwerkerei angeht, so schliesze ich meinen heutigen Eintrag mit der Geschichte der Khivaer 'Bonbonmafia':
Den vorwiegend jungen Damen und Herren der Stadt will ich naemlich den Schluss widmen, sind sie doch staendig auf der Lauer nach ahnungslosem Touristenfleisch. Ihre Methode ist der Horror und die Ueberzahl, ihr Motiv die Gier (oh ja, mal wieder!).
Kaum wahent man sich in Sicherheit in einer der verwinkelten Innenstadtgassen (wo ich dann doch ohne Billet herumspaziert bin - Sturheit und 2000mg Tinidazole Antiwurm wirken!), wird man von einem Kartellmitglied auch schon angesprungen, mit einem Laecheln auf den Lippen. Dem obligatem 'Hello, Mister!' (a la 'Ja, komm, komm du mein willenloses Opfer!') folgt dann der Todesstosz: 'Mister, pen, now!'! Und wehe man hat gerade sein Leben mit seinem letzten Stift verteidigt, dann naemlich wollen die Vieher ein 'Mister, bonbon, now!'... Horror und Schrecken standen mir anfaenglich als einzige mich in Todesstarre versetzende Abwehrmasznahme zur Verfuegung. Doch mit der Zeit schlug 'Silk Road in the Night Rider' zurueck! Denn kaum ward ein potenzielles 'Cosa Uzbekistana' Mitglied erspaeht, wuerde ich es zu mir locken, 'Hello!' sagen und mit seinen eigenen Mitteln schlagen, die Hand hinhaltend und 'Pen, now! Bonbon, now!' sagend, das Viehlein in die Flucht schlagen.

Wenn man dann allerdings zuschaut, wie andere ahnungslose Touristen mit Pens und Bonbons umherschmeiszen, dann kann man nur eine sehr hoch gebildete, uebergewichtige Generation an Usbeken erwarten.
Erpressung und Bestechung sei Dank!






Bonbonmafia 2. Teil





Bonbonmafia 3. Teil





Bonbonmafia 4. Teil





Freitag, 22. August 2008

1001 Nacht

Nun denn, eigentlich hat das mit Uzbekistan ja ganz toll angefangen. Und eigentlich ist es ja auch ganz toll.
Jetzt wieder.
Nach meiner Ankunft im Ferganatal vor ueber einer Woche habe ich mich ueber die quirligen Uzbeken ja wahrlich gefreut. Lebendigkeit auf den Straszen, Muetter mit ihren Kindern im Park, junge Paerchen, die haendchenhaltend durch die Straszen wandern und sich in einsame Ecken verkriechen... Tja, und da war dann noch ich. Ich, der ich mit uebelsten Magendarmzustaenden im Bett lag und da wohl was durchs tajikische Wasser ausgefasst hatte.
Man koennte wohl wirklich schreiben: es ging mir eher beschissen.
Aber einen Arztbesuch und hallizunogene Pillchen spaeter war dann wieder die Lebensfreude auch bei mir daheim.
Und dass ich Lebensfreude in mir trage, spuerte ich spaetestens nach der sicheren Landung nach einem Flug mit Uzbekistan Airways. Die betrachteten naemlich meinen 16kg schweren Rucksack doch tatsaechlich als Handgepaeck und als solches musste das Ding mit in die Kabine. Blosz: Wohin? Auf diese Frage fand die junge Stewardess dann schnell eine Loesung: einfach neben mich, auf den Sitz. Und das Ganze ungesichert.
Nun ja, die Lebensfreude konnte Tashkent nun dann auch nicht wirklich verspruehen, schienen alle Leute mehr auf einer Mission unterwegs zu sein als im Leben und so war die gesamte Ferganaentspanntheit dahin. Dabei haetten eigentlich die Leute dort Grund zur Tristesse, nachdem mit der Niederschlagung einer Demonstration in Andijan 2005 der selbsterwaehlte Praesident fuer ein abruptes Ende saemtlicher Volksbewegungen gesorgt hatte, die ihm zuwiderliefen.
Und so waren meine 4 Tage in der Hauptstadt von einem Disneylandgefuehl gekennzeichnet, steckt El Presidente nicht unwesentliche Summen in den Aufbau einer repraesentativen, teilweise laecherlich ueberladenen Architektur.
Dafuer konnte ich jede Menge netter Reisender kennenlernen, welche sich im gleichen Guesthouse aufhielten wie ich.

In Samarkand angekommen, konnte ich daraufhin feststellen: diese Stadt ist 1001 Nacht! Medressen und Moscheen, die in den bezauberndsten Blautoenen regelrecht strahlen und nicht zuletzt aufgrund ihrer Ueberzahl einen gewichtig in ein Gefuehl versetzen, welches nur noch auf den fliegenden Alladin wartet... Schoen brav am Klischee entlang.
Keinerlei Risiko, keinerlei Wagemut...
Und das Ganze mit Legionen an Franzosen und Horden an Deutschen Pauschaltouristen.
Selbstverstaendlich sorgt auch die Backpackercommunity dafuer, dass man auch hier eine gute, spaszvolle Zeit miteinander verbringen kann.
Und das tue ich auch; kulturelles Establishement hin oder her.






1001 Nacht Teil 2





1001 Nacht Teil 3





1001 Nacht Teil 4





Freitag, 15. August 2008

Hohe Zeit

Ja, jetzt ist Tajikistan auch schon wieder vorbei. Vorbei und verlassen.
Dabei waren die letzten beiden Tage in Khojand sehr angenehm! Und das zum Groszteil dank meiner Gastfamilie, die mich dankenswerterweise auch noch zum Schwimmen mitgenommen hat. Und so ein Tag am See hat schon was.
Und als es Abschiednehmen ging, habe ich fuer eine mittelschwere diplomatische Verstimmung gesorgt, als ich in einem Moment der Schwaeche Geld fuer die 2 Tage Rundumprogramm angeboten hatte.
Erst mit groszen Gesten und dem Versprechen Bilder zu senden, konnte ich diesen Fehler wieder etwas geradebiegen.

Und ohne es zu ahnen, sollte die Fahrt mit dem Minibus, der "Marshrutka", zu einer folgenschweren Bekanntschaft fuehren. Es waren dies die 4 Schwestern des uzbekischen Sozialministers, welche allesamt auf dem Weg zur Hochzeit ihrer Nichte unterwegs waren. Und was ist da schon naheliegender, wenn nicht den 'Australier' zur Hochzeit einzuladen?
Da kamen dann auch die einstuendigen Verhoere durch die Usbekische Grenz- und Zollwache einer Spielerei gleich, welche meine Sachen gute 2 Mal von oben nach unten, von innen nach auszen nahmen.
Willkommen im Polizeistaat...

Ehe wir dann tatsaechlich im Haus des Sozialministers angekommen waren, konnte ich noch mit Hilfe der ruestigen Damen am Bazar schwarzmarkttechnisch meine verbliebenen Tadjikischen Somoni gegen einen imposanten Haufen druckalter Uzbekischer Som (Hoechstnote entspricht in etwa 60 Cent!) eintauschen.
Bei Mischa, wie der Minister sich mir vorstellte, angekommen, wurde ich dann unter seine Patronage ge- und dem gesamten Haushalt vorgestellt. Alle nahmen sich sogleich meiner an, stopften mich mit Tee, Kuchen, Mittagessen, Tee, Kuchen, Obst, Tee, Kuchen, Tee, Zwischenmahlzeit, Tee, Kuchen und Tee voll, ehe ich eine Dusche in der singenden Duschkabine, welche saemtliche Massageprogramme draufhatte, genieszen durfte.
Alles ein bisschen abstrus, wenn man bedenkt, dass meine durchschnittlichen Behausungen in Zentralasien nun ja... eher minderklassig sind.
Und sogleich danach ging es mit Mischa und seiner Frau, sowie Tochter, welche ja verheiratet werden sollte, ins 300 Menschen fassende Hochzeitspalaestchen, wo getanzt, gegessen, gefeiert, gebloedelt und gelacht wurde. Gelacht insbesondere, wenn der 'Australier' mal wieder herumgezeigt wurde, als Ehrengast behandelt und jungen, potenziell heiratsfaehigen (also 18 Jaehrigen) Maedchen vorgestellt wurde. Und noch viel mehr gelacht, wenn der 'Australier' das Tanzbein schwang und fuer Furore sorgte.

Naja, viel viel Spasz gehabt!

Am naechsten Morgen wurde ich dann mit Kilo an Nahrungsmitteln verabschiedet.



Und heute warte ich auf meinen Flug nach Tashkent, in die Hauptstadt.
Mit einer Menge gutem Essen im Gepaeck und dem Eindruck, die letzte Woche irgendwie nicht ganz zu verstehen, so zwischen Tajikistan und Hochzeit.






Hohe Zeit 2. Teil