Nachdem ich also fuer Irritationen meiner Herkunft wegen gesorgt habe, habe ich mich heute am zweieinhalbten Tag meines Bishkekaufenthalts auf die Suche nach der kirgisischen Identitaet gemacht.
Nachdem sich auf den Straszen chinesische, russische, indische und kirgisische Gesichter ein Stelldichein geben, schien die Beantwortung dieser Frage kein leichtes Unterfangen zu werden. Allen gemein ist die Einigung auf Russisch als Verkehrssprache untereinander, wobei die eigentliche Verkehrssprache ja Sirenen und Huplaute der Marke "mein Auto hat den groeszeren Schwanz" sind, aber das waere ja eigentlich eine andere Geschichte...
Zurueck zu den Kirgisen.
Keine Frage, dass fuer mein Unterfangen kein Ort besser geeignet scheint, als das "State History Museum" am Ala Too Platz. Wie ueblich faengt der Spazs in einem solchen Museum immer wieder an der Kassa an, wenn ich naemlich - Geizhals wie ich bekanntlich bin - versuche, die Bezahlung des doppelten Eintrittspreises der Kategorie "Tourist" zu vermeiden und mich als Student tarne.
An den strengen Museumsbabushkas vorbei und unbemerkt, konnte ich meine Kamera hineinschmuggeln, fuer die man einen gesonderten Eintrittspreis Marke "Haustier in oeffentlichen Nahverkehrsbetrieben" zahlen muesste.
Und ich sollte fuendig werden!
Das ganze pompoese Museum gleicht in seinem Innenleben einem riesigen Palast, der sich allerdings vorne und hinten die Buchungsklasse Economy anmerken laesst: kaum Licht, multilinguale Taefelchen: Fehlanzeige, Loecher im Boden, schimmelnde Ecken und Lebensgefahr an den Stiegen sowie vor den Aufbauten, die mit Klebebaendern vor dem Umfallen geschuetzt werden.
Aber dafuer haben es die Aufbauten in sich und das marode Museumsinnenleben gleicht wohl dem Zustand der UdSSR kurz vor ihrer Implosion! Marx und Engels marschieren Schulter an Schulter der Weltrevolution entgegen, Stalin grinst im Portrait von einem Teppich herab, Lenin predigt von der Kanzel zum Volke... Und ich mittendrinn, statt nur dabei!
Sollte es also tatsaechlich so sein, dass die kirgisische Identitaet von der Unabhaengigkeit Anfang der 90er Jahre etwas ueberrascht wurde? Wo faengt man denn nun auch sich zu identifizieren und abzusetzen an, war man doch bis in die erste Haelfte des 20. Jahrhunderts kein eigener Staat sondern wurde mit Grenzen zwangsbeglueckt?
Gemeinsam mit den Rohstoffen, auf denen man sitzt und auf die es China, Russland, die EU und die USA abgesehen haben, wird das eigene "Ich" hier nicht gerade wenig unter Druck gesetzt.
Und dennoch: ganz weit oben, im dritten Stock laesst sich auch eine traditionelle Jurte finden. Einsam und alleine haelt sie die Stellung. Ob sie allerdings gegen die Wandmalereien die der Oktoberrevolution 1917 gewidmet sind, standhalten wird, werden wohl erst die kommenden Jahrzehnte zeigen koennen.
Keine Kommentare:
Kommentar veröffentlichen