Donnerstag, 24. Juli 2008

CBT

1120 km seit Bishkek, 3 Mal ordentlich diarrhoeeiert und "Dschingis Khans Rache" gefroehnt und unzaehlige Male Kinderhorden "zuge"hello"t"...
Das waeren mal die mehr oder minder statistischen Fakten derzeit.

Fakt ist auch, dass ich froh bin wieder zwei Tage am Stueck an einem Ort verweilen zu koennen wo ich eine Dusche - zwar mit erdbraunem Wasser aber doch - haben, wo ich das wunderbare und geldsparende Konzept des Couch Surfing genieszen kann und wo ich mal wieder in die weite Welt des Internets komme.
Aber die zweitgroeszte kirgisische Stadt Osh hat nicht nur Vorteile wie diese, denn sie kann auch mit einem wunderbaren Bazaar aufwarten, wo sich ein Hauch von Irangefuehl einstellt.
Auf der Nachteile-Seite darf die immense, bruetende und brennende Hitze erwaehnt werden, die ich schon fast nicht mehr gewohnt bin, seit ich etliche Tage ueber 3000m Seehoehe verbracht habe.

Und ja, diese Tage waren unglaublich cool!
Angefangen hat alles mit einem Besuch im CBT-Office in Kochkor.
Doch bevor ich naeher auf das Erlebte eingehe, gilt es zunaechst das CBT-Konzept zu erklaeren.
CBT - Community Based Tourism - ist eine 2003 durch die Schweitzer Organisation "Helvetas - Schweitzer Gesellschaft fuer internationale Zusammenarbeit" geschaffene Idee, in Kirgistan sanften, auf die Beduerfnisse von Einheimischen und Touristen zugleich eingehenden Tourismus auf einer fairen Grundlage zu etablieren, welcher auf die Teilnahme durch lokale Bevoelkerung basiert und sozial und oekologisch ausgewogen stattfinden soll.
Hierbei soll gewaehrleistet werden, dass der Groszteil der fuer die Dienstleistung von Touristenseite zu erbringenden Bezahlung, den Einheimischen direkt zugute kommt, ohne grosze Gewinne auf Seiten der Organisationsstrukutr durch lokale CBT-Geschaeftsstellen. Konkret bedeutet das, dass 18% des Preises fuer ein zu buchendes Arrangement auf die lokale CBT-Geschaeftsstelle entfallen, womit diese sich moeglichst unabhaengig erhalten und finanzieren soll. 82% kommen somit direkt den Einheimischen zugute. Hierbei soll aber auch sichergestellt werden, dass der Tourist eine durchsichtige Auflistung jedes einzelnen Postens der zu erbringenden Dienstleistung erhaelt und somit ohne groszen Druck entscheiden kann, ob das Preis-Leistungsverhaeltnis fuer ihn plausibel erscheint.
Und ich muss sagen, dass tut es!
Denn ich habe ohne grosze Umschweife oder das Gefuehl uebers Ohr gezogen zu werden, einen zweitaegigen Aufenthalt bei einer Hirtenfamilie am See Kol Ukoek nahe Kochkor gebucht. Alles lief wie am Schnuerchen: ich traf mich mit meinem Guide, wir besorgten gemeinsam Proviant fuer den zwar strapazioesen aber durch unglaubliche Schluchten fuehrenden Aufstieg auf 3200m Seehoehe, wo wir nach 7 Stunden Wanderung von unserer Gastfamilie am See - vom Gastvater persoenlich am besten Pferd reitend und weiteren Hirten - abgeholt werden sollten, um zwei reiszende Fluesze somit sicher am Pferderuecken durchqueren zu koennen.
Erschoepft aber vom Anblick des Sees von den Jurten aus ueberwaeltigt, sollte mir zugleich die gesamte Familie vorgestellt werden, um aber gleich darauf frischesten, von der Familie selbstgefischten Fisch samt Kymyz (Stutenmilch) und der besten Butter, die ich in meinem Leben gegessen habe, sowie leckerstes selbsgemachtes Naan (Fladenbrot) serviert zu bekommen.
Nach dieser wahnsinnig guttuenden Staerkung wurde ich vom Gastvater zu einer Stelle der von 3 Gletschern umringten Hochebene gefuehrt, wo freilaufende Yaks weideten. Diese Hochlandrinder sind schlicht und einfach majestaetisch im Anblick!
Hiernach zeigte man mir noch den zweiten, kleineren Gletschersee, welcher nicht minder imposant im Anblick war.
Erschoepft und ueberwaeltigt aber ungemein gluecklich ging es in der Abenddaemmerung zuruck zu den Jurten, wo in der Zwischenzeit die Gastmutter bereits die Schlafstaetten vorbereitet hatte.
Und wiewohl die Nacht unglaublich kalt werden sollte, konnte ich durch das Loch der Jurte einen wunderschoenen Sternenhimmel beobachten, der mich in einen wohligen Schlaf begleiten sollte.

Und ja, dieser Artikel sprudelt nur so vor lauter Kitsch, aber nichts weniger verdienen sich die beiden Tage, die ich bei der Hirtenfamilie verbracht habe, denn sie waren derartig schoen und berauschend, dass ich schon jetzt glaube, dass sie von nichts anderem getoppt werden koennen in den naechsten beiden Monaten.

Da war dann auch die 1903 von der russischen Armee in den Berg gesprengte und seit dem von niemandem mehr angeruehrte 340km lange Strasze zwischen Naryn und Jallalabad, welche durch atemberaubende Schluchten fuehrt; nur ein muedes Abenteuer im Vergleich. Aber auch dieses Abenteuer sollte ein gutes Ende finden... Wiewohl die Marschrutka 3 Mal zusammenbrechen und uns 14 Passagieren in der bruetenden Hitze dreieinhalb Stunden Reparaturwartezeit sowie 7 km Fuszmarsch bescheren sollte und wiewohl auch das Auto, das ich mit einem Franzosen gemeinsam mieten sollte fuer den zweiten Teil der Strecke von Kazerman nach Jallalabad, einmal den Geist aufgab - das Erlebnis vom Kol Ukoek sollte hierdurch nicht getoppt werden.


Es laesst sich zu CBT aber auch sagen, dass es stets Frauen sind, die in der ansonsten reichlich sexistisch-postsovietischen kirgisischen Gesellschaft die Hosen anhaben, wenn es um die Betreuung des Gastes geht. Und so verwundert es dann frueher oder spaeter auch nicht mehr wenn selbst im ruralsten Kirgistan die Hausmutter diejenige ist, die zwar in Brocken aber doch verstaendlich Englisch spricht und das Sagen hat, wenn es um saemtliche Belange der Gaeste geht.
Ein Hoffnungsschimmer, reinvestiert CBT doch reichlich Mittel um nicht nur den Tourismus zu foerdern, sondern auch den teilnehmenden Einheimischen Bildungsmasznahmen zu ermoeglichen, die sonst nur schwer zugaenglich waeren.


Insgesamt habe ich die letzten zweieinhalb Wochen Kirgistan sehr genossen. Und doch freue ich mich schon sehr auf die Erlebnisse die Tadjikistan gewiss bereithaelt, wo es hoffentlich morgen dann von Osh aus hingehen soll, stets dem "Pik Lenin" und dem "Dach der Welt" - dem Pamirgebirge - entgegen...
Und dies in meiner fuer die naechsten 3 Wochen heute zu treffenden, franzoesisch sprechenden Reisebegleitung Magali.




1 Kommentar:

Anonym hat gesagt…

Ich merke du bist grad am werken.. alles klar bei dir?