Sonntag, 21. September 2008

Agdam und das Heldendasein

Schon erstaunlich, wieviel Zeit man damit zubringt nach Internetcafes zu suchen, die einem erlauben Sachen upzuloaden. Oder aber wie sehr man zu einem Experten mutiert, der saemtliche Moeglichkeiten und Hotkeys von Windows kennt, Sperren zu umgehen und Dateien zu oeffnen oder Bilder zu bearbeiten.
Naja, macht ja auch Spasz, sonst wuerde ich drauf aehm... pfeifen, um hier nicht erneut in Geschichten ueber meine Verdauungszustaende zu verfallen...

Nun denn, ich befinde mich jedenfalls derzeit noch in der von niemandem auszer sich selbst anerkannten 'Republik Nagorno-Karabach', die wohl irgendwie von Armenien okkupiert auf Aserbaidschanischem Boden liegt. Dieser Boden aber war recht stark, um nicht zu schreiben ausschlieszlich armenisch besiedelt, bevor ein gewisser Herr Dsch. S. aus Gori, wo noch immer Straszen nach ihm benannt werden, auf die Idee kam zu dividen et imperieren.
Und dann war da der Zusammenbruch der Sovietunion der einen blutigen Krieg vom Zaun brechen sollte. Jedenfalls schafften es die Armenier NKR in Beschlag zu nehmen und die Azerische Bevoelkerung aus dem Land zu bitten, wie die Azeri es auch mit den Armeniern dann tun sollten.
Heute scheint die Lage relativ friedlich und ueberschaubar, auch wenn es das dann fuer mich wohl gewesen ist mit Besuchen in Aserbaidschan, denn mit dem wunderhuebschen NKR-Visum im Pass wird einem die Einreise dann eben verweigert.
Das soll dich lieber Leser, liebe Leserin, aber nicht weiter traurig strimmen, habe ich doch einen Fleck Erde entdeckt, wo man ohne zu uebertreiben das Gefuehl bekommt die Huegel wuerden den Himmel und die Wolken kratzen, wo das Laecheln der Leute auf den Straszen nach dem Grund fragt, warum man sich hierher verlaufen hat und wo einem die Verkaeuferinnen davn abraten ihre Produkte zu kaufen, weil diese 'nicht frisch' seien und auch ein Fleckchen, wo die Leute ihre Waesche einer riesigen Flaggenparade gleich aus den Fenstern zum Trocknen haengen.
Und ein Fleckchen Erde, wo einem ganz schnell im Egobereich geschmeichelt wird, bekommt man doch ganz besondere Aufmerksamkeit und Zuwendung von Seiten der lokalen Studentinnenschaft, die sich dann schon mal darueber zu streiten anfaengt, wer als naechste neben einem gehen oder mit einem ein Foto schieszen darf. Aber gut, alles was kein Stein oder Azeri ist wird diese Aufmerksamkeit hier bekommen. Also nichts da, wobei ich aber schon das Gefuehl von Milenko Superstar hatte genieszen koennen...

Ganz ein anderes Gefuehl bekommt man beim Anblick der verbotenen Stadt Agdam, d.h. dessen, was davon noch uebrig ist. Diese befindet sich naemlich 2 km von der Waffenstillstandslinie entfernt und ist das Resultat der organisiserten Vertreibung ihrer Azerischen Bevoelkerung durch Armenische Truppen kurz vor dem Ende der Auseinandersetzungen. Und man merkt schon allein beim Anblick, dass das Ganze ueberaus organisisert vollzogen wurde, steht doch kein Stein mehr auf dem anderen und bietet sich einem ein Bild welches wohl an Hiroshima kurz nach der Bombe erinnert, wenn man naemlich auf das Minarett dessen was von der Moschee noch uebrig ist, raufklettert. Verwundert war ich aber ueber das absolute Fehlen von Polizei oder Militaer, hat man mich doch nicht blosz ein Mal davor gewarnt in diese 'gefaehrliche' Stadt zu fahren. Aber was wohl sollten die zwei unverdaechtig wirkenden Typen mitten im 'Zentrum', die versuchten ihre Wassermelonen zu verkaufen, sein, als lediglich schlecht getrant?
Und zurueck in Stepanakert, der doerflich wirkenden 'Hauptstadt' von NKR, wuerde mir dann ein Student erklaeren, dass die Kuehe, die ich dort sehen konnte, vermeintlich gefaehrlich leben, gibt es doch die Angewohnheit sich gegenseitig das Vieh und die Pferde zu erschieszen, welche die Waffenstillstandslinie kreuzen. Als ob wenn die naemlich Nationalitaeten haetten...

Und uebrigens: ganz nett Raketenabschussbasen in Yerewan zu sehen, welche auf den tuerkischen Nachbarn gerichtet darauf warten in Aktion zu treten...





Agdam und das Heldendasein Teil 2





Agdam und das Heldendasein Teil 3





Agdam und das Heldendasein Teil 4





Dienstag, 16. September 2008

Veraenderungen

Ja, die gibt es.
Die gibt es laufend.
Schoen ist es aber zu sehen, dass manche Sachen auch etwas laenger unveraendert bleiben.
Beispielsweise meine definitive Liebe zu Tbilisi. Dieser Stadt, die zu beschreiben ich nicht in der Lage bin. Dieser Stadt, die mich aufs Neue gewonnen hat. Oder habe nicht eher ich sie gewonnen? Durch Zufall? Wohl ja, aber dieser hat es dann definitiv gut mit mir gemeint.
Auch heute, als ich den Korridor der Metrostation 'Didube', gleich hinter dem 'Elektrodepo', beim Dinamostadion, entlanggeschlittert bin, meinen Kopf gesenkt, ist es an sich kein ganz so gewinnender Platz und schon gar keiner, der zum Verweilen einlaedt. Selbst wenn man dies wollte, wuerden einen die Massen welche von der Metro wegstroemend Richtung Marshrutkastation eilend unterwegs sind, mitziehen.
Kaum ein Augenblick bleibt einem da all die auf ihren Hockern sitzenden Babuschkas zu beobachten, welche was sie eben gerade haben zum Verkauf anbietend, versuchen, ihre Wuerde zu wahren und eine Linie zwischen sich und all' die unzaehligen Bettler zu ziehen, welche die umliegenden Straszen durchstreifen, stets auf der Suche nach dem einen oder anderen Tetri.
Und doch gibt es in diesem Gewusel, in diesem Durcheinander auch heuer diese eine Band, diese drei Jungs, welche es sich nicht nehmen lassen und gerade eben diesen einen Korridor mit wunderbaren Klaengen fuellen, welche sich aus dem Zusammenspiel von Schlagzeug, Bass, Gitarre und Gesang zu einer Mischung vereinen, die zum Verweilen einlaedt.
Waeren da, ja waeren da nicht all die Menschen, die zwischen Hier und Dort unterwegsseiend ihre Koefe senken und dem Licht am Ende des Tunnels zueilen, ohne das wunderbare Strahlen der Nacht zu sehen.

Sonntag, 14. September 2008

Schwarz

Nach einer wahren Raserei von Ashgabat weg durch den Iran und den dort mal wieder tollen Erlebnissen (nicht zuletzt durch die Bazaris, die ich schon das 3. Jahr besucht habe und die mich beispielsweise zum Pingpongspielen (Vodka, Bier und Co. in Zeiten des Ramazan inklusive...) mitnehmen wuerden, ging es am 'Maertuerer Toter Mann-Highway' ins nette Baku, das derweil abschnittsweise mehr und mehr zu einem Morph zwischen Chicago, Paris und Dhaka zu werden scheint. Dabei war die Fahrt dorthin wahrlich beinahe 'toter Mann', raste der Fahrer dankenswerterweise mit 130 km/h durch Ortsgebiete. Und da kein Platz im Kofferraum war, durfte ich meinen Backpack am Schosz halten. Und als dann im Innenraum ploetzlich Rauch auftauchte und wir anhielten, warf ich meinen schoenen Rucksack in den Dreck und lief gemeinsam mit den 3 Iranern, die auch im Auto saszen, ganz schnell ganz weit weg. War dann doch 'blosz' ein kleinerer Kabelbrand. Und als uns dann auch noch mitten im Bakuuer Abendverkehr der Sprit ausging, hatte ich genug und goennte mir ganz alleine ein Taxi.

Naja, zumindest ist Tbilisi immernoch das Geilste zwieschen Istanbul und Istanbul. Alles scheint von den juengsten Konflitktereignissen ganz unberuehrt. Die Leute flanieren nach wie vor die Rustaveli Avenue entlang, diesen Jahrmarkt der Eitelkeiten. Doch eines faellt sofort auf: Schwarz ist hier nicht blosz eine Modefarbe. Zusaetzlich zu den in etwa 300 000 Vertriebenen vergangener Konflikte ist eine Unzahl neuer Fluechtlinge dazugekommen, um die sich die Regierung nicht zu kuemmern in der Lage ist. Und so schlafen beispielsweise 28 Personen aller Altersklassen dicht gedraengt und am Boden in 2 Raeumen eines Kindergartens, der aber ab Oktober seinen regulaeren Betrieb wiederaufzunehmen haben wird. Keiner weisz so genau was mit diesen Menschen dann passieren soll, aber den Berichten zufolge ist klar: in die gepluenderten und ausgebrannten Haeuser wird wohl keiner von ihnen so schnell zurueckkehren koennen.
Und so bleibt ihnen nicht viel anderes uebrig als zu warten. Warten und hoffen.
Und ein bisschen Hoffnung konnte man spueren, als ich zusammen mit Tbiliser Freunden eines dieser provisorischen Auffanglager besucht und versucht habe, jene ein bisschen abzulenken, die am wenigsten fuer die Situation zur Verantwortung zu ziehen sind: die Kleinsten.
Das Spielen mit den teilweise koerperlich und/oder geistig behinderten Kids war gewiss das emotional aufwuehlendste, was ich im Laufe der letzten 11 Wochen zu spueren bekommen habe.

Wie die Lage in Gori, jener georgischen Stadt die am laengsten von den russischen Truppen besetzt gehalten worden ist, ist, wird sich am Mittwoch zeigen, wenn ich gemeinsam mit einem Trupp an Journalisten und Fotographen versuchen werde mir ein Bild zu machen und das groeszte Auffanglager besichtige.






Schwarz 2. Teil





Schwarz 3. Teil





Schwarz 4. Teil





Sonntag, 7. September 2008

Angewohnheiten

Ja, jeder hat so eine Gewohnheiten.
Der eine bohrt gerne in der Nase herum, die andere wippt mit dem Bein. Naja, nicht dass es mir an ebensolchen mangelt, habe ich doch aber in Tehran ganz besondere. Aber auch in Mashad.
Letztere ist Irans hoechstes Heiligtum. Mein Besuch dort hatte lediglich den Sinn bei 'Vitamin Sara' einen der leckersten Milchshakes ever erneut tinken zu koennen... Dieses Vanielleeis, diese Nuesse und Pistazien, fein zerhackt, der Honig, die Banane... Ach, koestlich!
Dann haben Reifen uebrigens auch Angewohnheiten, naemlich jene, schoen brav immer dann zu explodieren, wenn ich in dem Wagen sitze. So geschehen neulich und somit dann das 3. Mal waehrend meiner Reise, im Nachtbus nach Tehran, nach 14 Stunden Fahrt, 25 Kilometer vor der Stadt.
Naja, in der Stadt dann ging es wieder ins Museum od Contemporary Art. Eines der besten, wiewohl diesmal brav systemgetreu ausestellt wurde: Gottes Name in unzaehligen Variationen - spannend.................
Dann ging es ins Juwelenmuseum, das fest in der Hand spanischer (!) Reisegruppen war. Nachdem ich also mein 'Eso es un wasauchimmer' auffrischen konnte, ging es zum Affrischen weiter, musste ich doch essen. Das gestaltet sich dann sehr spannend, verstecke ich mich zumeist in Zeiten des Ramadans dann eben in irgendwelchen Hinterhoefen und Seitenstrassen und beisse hastig von wasauchimmer ab, trinke noch hastiger, habe nacher Magenkraempfe und aergere mich. Zumal ich das Gefuehl habe schwerkriminell zu sein und jeden Moment von der Sittenpolizei aufgegabelt zu werden. Naja, dann gibt es eben auch noch Restaurants, die zu haben und doch offen sind. Offen fuer all jene die fliehen. Fliehen, in die Welt des Iranischen Reises und Kebabs. Lecker, aber nicht auf Dauer.
Und so hat dann meine Gastfamilie in Tehran welche sich ueber Couch Surfing mal wieder anbot, dafuer gesorgt, dass mein Begriff von Gastfreundlichkeit revidiert wurde, waren es die freundlichsten und zuvorkommendsten Menschen die mir reisetechnisch begegnet sind. Und das Essen: leckerst! Ein bisschen habe ich dann sogar mit ihnen mitgefastet, wiewohl sie keine Probleme hatten mit meinem Nichtfasten. Aber ein bisschen wie ein Streikbrecher fuehlt man sich eben doch...

Naja, und eine Angewohnheit in Tabriz wird sein schnell wegzukommen, denn in Baku wartet schon das sagenumwogene japanische Restaurant 'Kill Bill', welches mir schon jetzt das Wasser im Munde zusammenflieszen laesst.
Sushi auf!



Angewohnheiten Teil 2





Angewohnheiten Teil 3