Naja, macht ja auch Spasz, sonst wuerde ich drauf aehm... pfeifen, um hier nicht erneut in Geschichten ueber meine Verdauungszustaende zu verfallen...
Nun denn, ich befinde mich jedenfalls derzeit noch in der von niemandem auszer sich selbst anerkannten 'Republik Nagorno-Karabach', die wohl irgendwie von Armenien okkupiert auf Aserbaidschanischem Boden liegt. Dieser Boden aber war recht stark, um nicht zu schreiben ausschlieszlich armenisch besiedelt, bevor ein gewisser Herr Dsch. S. aus Gori, wo noch immer Straszen nach ihm benannt werden, auf die Idee kam zu dividen et imperieren.
Und dann war da der Zusammenbruch der Sovietunion der einen blutigen Krieg vom Zaun brechen sollte. Jedenfalls schafften es die Armenier NKR in Beschlag zu nehmen und die Azerische Bevoelkerung aus dem Land zu bitten, wie die Azeri es auch mit den Armeniern dann tun sollten.
Heute scheint die Lage relativ friedlich und ueberschaubar, auch wenn es das dann fuer mich wohl gewesen ist mit Besuchen in Aserbaidschan, denn mit dem wunderhuebschen NKR-Visum im Pass wird einem die Einreise dann eben verweigert.
Das soll dich lieber Leser, liebe Leserin, aber nicht weiter traurig strimmen, habe ich doch einen Fleck Erde entdeckt, wo man ohne zu uebertreiben das Gefuehl bekommt die Huegel wuerden den Himmel und die Wolken kratzen, wo das Laecheln der Leute auf den Straszen nach dem Grund fragt, warum man sich hierher verlaufen hat und wo einem die Verkaeuferinnen davn abraten ihre Produkte zu kaufen, weil diese 'nicht frisch' seien und auch ein Fleckchen, wo die Leute ihre Waesche einer riesigen Flaggenparade gleich aus den Fenstern zum Trocknen haengen.
Und ein Fleckchen Erde, wo einem ganz schnell im Egobereich geschmeichelt wird, bekommt man doch ganz besondere Aufmerksamkeit und Zuwendung von Seiten der lokalen Studentinnenschaft, die sich dann schon mal darueber zu streiten anfaengt, wer als naechste neben einem gehen oder mit einem ein Foto schieszen darf. Aber gut, alles was kein Stein oder Azeri ist wird diese Aufmerksamkeit hier bekommen. Also nichts da, wobei ich aber schon das Gefuehl von Milenko Superstar hatte genieszen koennen...
Ganz ein anderes Gefuehl bekommt man beim Anblick der verbotenen Stadt Agdam, d.h. dessen, was davon noch uebrig ist. Diese befindet sich naemlich 2 km von der Waffenstillstandslinie entfernt und ist das Resultat der organisiserten Vertreibung ihrer Azerischen Bevoelkerung durch Armenische Truppen kurz vor dem Ende der Auseinandersetzungen. Und man merkt schon allein beim Anblick, dass das Ganze ueberaus organisisert vollzogen wurde, steht doch kein Stein mehr auf dem anderen und bietet sich einem ein Bild welches wohl an Hiroshima kurz nach der Bombe erinnert, wenn man naemlich auf das Minarett dessen was von der Moschee noch uebrig ist, raufklettert. Verwundert war ich aber ueber das absolute Fehlen von Polizei oder Militaer, hat man mich doch nicht blosz ein Mal davor gewarnt in diese 'gefaehrliche' Stadt zu fahren. Aber was wohl sollten die zwei unverdaechtig wirkenden Typen mitten im 'Zentrum', die versuchten ihre Wassermelonen zu verkaufen, sein, als lediglich schlecht getrant?
Und zurueck in Stepanakert, der doerflich wirkenden 'Hauptstadt' von NKR, wuerde mir dann ein Student erklaeren, dass die Kuehe, die ich dort sehen konnte, vermeintlich gefaehrlich leben, gibt es doch die Angewohnheit sich gegenseitig das Vieh und die Pferde zu erschieszen, welche die Waffenstillstandslinie kreuzen. Als ob wenn die naemlich Nationalitaeten haetten...
Und uebrigens: ganz nett Raketenabschussbasen in Yerewan zu sehen, welche auf den tuerkischen Nachbarn gerichtet darauf warten in Aktion zu treten...